Datenschutz als Cross-Media-Thema

Dina Foxx wurde verhaftet und verdächtet ihren Freund ermordet zu haben. Dies ist die Ausgangsbasis des Cross-Media-Experiment des ZDF.  Nachdem man in einem 50-minütige Film Hintergrundinformationen erhalten hat, soll man im Internet auf Spurensuche gehen um die Unschuld von Dina zu beweisen. Dabei werden nicht nur TV und Internet als Medien crossmedial verbunden, sondern auch Realität und Fiktion beginnen zu verschwimmen, wie etwa durch die Unterzeichnung einer Online-Petition für Dina Foxx.  Zahlreiche Social Media Accounts wurden angelegt. Über http://www.freidaten.org/ kann man sich auf dem Laufenden halten, kurze Infos erhält man über http://twitter.com/#!/freidaten und Facebook ist natürlich auch mit dabei http://www.facebook.com/people/Dina-Foxx/100000723063488. Wobei sich die Fans auf Twitter, Facebook und Co noch in Grenzen halten. Als “Mitspieler” bieten sich unterschiedliche Wege der Detektivarbeit an. So kann man die Wohnung von Dina Foxx interaktiv begutachten http://xt.zdf.de/datenschutzraum/ Hier kommt neben den Medien Internet und TV noch ein weiteres Medium ins Spiel, das Computerspiel. In diesem Fall als Rollenspiel, bekannt vor allem durch Adventurgames. Schrittweise soll man weitergeführt werden um den Fall lösen zu können. So wird das nächste Level erst einige Stunden später freigeschalten.

Experimente wie diese sind nicht neu und waren immer nur bedingt erfolgreich (siehe auch Artikel von Spiegel Online). Auch bei diesem Experiment darf man gespannt auf den Erfolg sein. Auf den ersten Blick benötigen die “Spieler” einiges an Zeit und Aufwand um sich dem “Detektivprojekt” widmen zu können. Vorkenntnisse sind notwendig um die Social Media Profilen und Datenspuren im Internet finden, zu verknüpfen und interpretieren zu können. Das ZDF möchte wohl hier ein junges internetaffines Publikum ansprechen, die ohnehin auf unterschiedlichen Social Media Plattformen aktiv sind und das Spiel integriert zu ihren Alltagsroutinen nutzen können. Spiegel Online weist auf die Widersprüchlichkeit der Vorgehensweise hin und die tax Online kritisiert die Umsetzung des Themas für die entsprechende Zielgruppe.

Für mich stellt sich die spannendere Frage nach der Bearbeitung des eigentlichen Themas – Datenschutz. Das Thema wird durch die crossmediale Verknüpfung genau dort behandelt wo es auch hinsichtlich Bedeutsamkeit und Dringlichkeit verortert wird – im Internet, in den Social Media Umgebungen. Kann man den Fall auch lösen ohne sich mit der Thematik auseinanderzusetzen? Links zu dem Thema stellt das ZDF zumindest zur Verfügung. Wenn nein, wieviel wird zu dem Thema Datenschutz und Privatsphäre im Internet “gelernt”? Wobei sich hier wieder die Frage stellt ob und wie man via Edutainment oder auch Game based learning lernt. In Dokudramas soll Geschichte lebendig erzählt werden, in Spielen interaktiv neues Wissen erlernt werden und in crossmedialen Verknüpfungen brisante Themen bearbeitet werden. Wäre spannend der Frage nach der Wirksamkeit wissenschaftlich nachgehen zu können. Andererseits werden die Nutzer durch ihre Aktivitäten angehalten auch von sich selbst Daten und Informationen bekannt zu geben. Neues Szenario für Learning by doing? Oder wird die unreflektierte Informationspreisgabe  während und auch nach dem Spiel aufrecht erhalten? Neben diesen Fragestellungen bleibt aber immer noch dies wesentliche Frage im Vordergrund “Wer hat Vasco ermordert?”.

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